Notfallseelsorge Harzer Land

Thesenreihe zur Notfallseelsorge

Notfallseelsorge ist "erste Hilft für die Seele" in Notfällen und Krisensituationen.
Notfallseelsorge wendet sich in ökumenischer Weite und Offenheit an primär Geschädigte, andere Betroffene und an Einsatzkräfte.
Die Arbeit der Notfallseelsorge geschieht im Wesentlichen durch Beziehung und
Kommunikation, seelsorgerliches Gespräch und Präsenz des Seelsorgers, der Seelsorgerin
vor Ort.

Konkrete Tätigkeiten des Notfallseelsorgers vor Ort können sein:

  • - Begleitung von unverletzten Beteiligten
  • - Begleitung von Verletzten während der Rettung und in Wartezeiten
  • - Begleitung von Angehörigen, die am Einsatzort sind oder dahin kommen
  • - Fürsorge für erschöpfte Einsatzkräfte
  • - Auf Wunsch Spende der Sakramente und Gebet für Sterbende und Tote
  • - Überbringung von Todesnachrichten gemeinsam mit der Polizei

Arbeitsweise der Notfall-Seelsorge


Die Betroffenen, die wir betreuen, sind Menschen, für die in ihrer Krisensituation niemand Zeit hat.
Eine frühzeitig einsetzende, kontinuierliche Betreuung ist jedoch besonders wichtig.
Durch die unaufdringliche Anwesenheit der Notfall-Seelsorgerin/ des Notfall-Seelsorgers entsteht eine Beziehung zum traumatisierten Menschen. Dieser macht die Erfahrung, dass sprachlos machende Trauer und zunächst unerträgliches Leid von einem anderen Menschen ausgehalten und mit ihm geteilt werden können.
Besonders in dieser ersten Phase der Betreuung liegt der Akzent weniger auf der Gesprächsführung als in einer engagierten Anwesenheit des Notfall-Seelsorgers oder der Notfallseelsorgerin.

Das Ziel der Betreuung liegt darin, dass traumatisierte und trauernde Betroffene ihre Handlungsfähigkeit wiedergewinnen und bei der ersten Bewältigung ihrer Eindrücke und der emotionalen Stabilisierung unterstützt werden. Deshalb ist es ein Anliegen, unmittelbar zur Verfügung stehende emotionale und soziale Ressourcen gemeinsam mit den Betroffenen zu erschließen und für sie nutzbar zu machen.

In Situationen, in denen der Bedarf einer längerfristigen professionellen therapeutischen Intervention absehbar wird, bemüht sich die Notfall-Seelsorge um Vermittlung der Betroffenen.

Wissenschaftlicher Hintergrund


Die Notfall-Seelsorge versteht ihre Tätigkeit als präventive Maßnahme gegen die posttraumatische Belastungsstörung (Post Traumatic Stress Disorder PTSD, WHO, ICD10, F43.1) und die pathologische Trauerreaktion.
Es handelt sich dabei um schwere gesundheitliche Folgeschäden, die durch ein traumatisches Ereignis ausgelöst werden.

Die Betreuung von Menschen in Situationen schwerster psychischer Belastung durch die Notfall-Seelsorge entspricht deshalb dem Auftrag des Gesetzgebers an den Rettungsdienst, gesundheitliche Folgeschäden auch im seelischen Bereich zu vermeiden. Die Verhinderung schwerer gesundheitlicher Folgeschäden ist ein zentrales Anliegen der präklinischen Notfallmedizin. Insofern ergänzt die Notfall-Seelsorge das vorgehaltene Angebot des Notarzt- und Rettungsdienstes.